Was in der Sprache neuerer Philosophen das In-der-Welt-Sein genannt wurde, bedeutet für die menschliche Existenz zunächst und zumeist: In-Sphären- Sein. Wenn Menschen da sind, so fürs erste in Räumen, die für sie aufgegangen sind, weil sie ihnen durch Einwohnung in ihnen Form, Inhalt, Ausdehnung und relative Dauer gegeben haben. (...) Sphären sind Klimaanlagen, an deren Errichtung und Einstellung nicht mitzuwirken für real Zusammenlebende nicht in Frage kommt.
P.Sloterdijk, Sphären I Blasen S46
”Daß das Leben eine Form-Sache sei- das ist die These, die wir mit dem altehrwürdigen Philosophen- und Geometer-Ausdruck Sphäre verbinden. Indessen ist der Hinweis auf eine vitale sphärische Geometrie sinnvoll nur, wenn zugegeben wird,(...) daß überall, wo menschliches Leben ist, gleichgültig ob nomadisch oder seßhaft, bewohnte Kugeln entstehen, wandernde oder ortsgebundene, die in einer gewissen Hinsicht runder sind als alles, was sich mit Zirkeln zeichnen läßt.”
P.Sloterdijk, Sphären I Blasen S12
Foto: Markus Campana
“Leben artikuliert sich auf ineinander verschachtelten simultanen Bühnen, es produziert und verzehrt sich in vernetzten Werkstätten. Doch was für uns das Entscheidende ist: Es bringt den Raum, in dem es ist und der in ihm ist, jeweils erst hervor.”
P.Sloterdijk, Sphären III Schäume S24